Lysoform-Flasche | Ding des Monats November 2020

Ding des Monats November 2020
Lysoform-Flasche

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Lysoform-Flasche. Entwurf: unbekannt, Lysoform Dr. Hans Rosemann GmbH, Berlin, 1920er Jahre. Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin. Foto: Armin Herrmann, 2020

Die grüne, oktogonale Flasche aus Pressglas mit geriffeltem Bakelitverschluss aus den 1920er Jahren diente als Behältnis für das Desinfektionsmittel Lysoform. Der Produktname tritt diagonal in leuchtend gelber Schreibschrift und als Relief auf der Flaschenrückseite in Erscheinung. Das Etikett zeigt eine weibliche Silhouette mit Schürze, die sich mit pflegendem Gestus über eine im Bett liegende Person beugt. Über dieser in einem Rundbogen gefassten Szene prangt die Überschrift „Zum Schutz gegen Ansteckung“. Eine Reihung von Adjektiven – „ungefährlich wohlriechend erfrischend“ – soll das Vertrauen potenzieller Konsument*innen in das Produkt wecken. Neben der zentrierten Abbildung findet sich ein Hinweis auf die vielseitige Anwendbarkeit des Flascheninhalts: „Für Kranken- und Hautpflege. Zur Kinderpflege. Gegen Schweißbildung und zur Beseitigung schlechter Gerüche.“

Das Präparat Lysoform, eine damals neuartige Mischung flüssiger Seife mit Formaldehyd, wurde vom Apotheker Dr. Hans Rosemann entwickelt. Er ließ es 1900 patentieren und gründete das gleichnamige Unternehmen. Lysoform fand als Desinfektionsmittel in Krankenhäusern und auch Privathaushalten Verwendung. Bereits vor hundert Jahren wurde es als wirksamer Schutz gegen die Spanische Grippe beworben. Bis heute vertreibt die Lysoform Dr. Hans Rosemann GmbH zahlreiche Produkte aus den Bereichen der Desinfektion und Antiseptik.

Die Lysoform-Flasche ist Teil unserer Krisen-Sammlung, die aus Anlass der aktuellen Pandemie entsteht und stetig erweitert wird.